STORMWITCH, MISSION IN BLACK - BURGRIEDEN

30.09.2019 | 20:14

28.09.2019, Riffelhof Konzertbericht von www.powermetal.de

Manati Herz fragt nach: 


Manati Herz fragt nach: 

Stormwitch -Masters of Black Romantic Metal-  

Wenn man so wie ich im Grenzgebiet zur Ostalb lebt und aufwächst und sich für Musik interessiert, kommt man um so manche „lokale Rockband“ nicht herum. Lange vor facebook also, geschah es, dass ich auf einem Sommer Festival in Abtsgmünd auf einen jungen Mann traf, der hin und weg war, von genau einer dieser Bands. Damals durfte er dort Roadie sein und zeigte mir stolz seinen Backstagepass. Nun hatte ich also ein Date an der Mainstage. 
Die 2000ender sind lange vorbei, die Zeit der Sommerfestivals auch, geblieben ist mir die Musik. Diese magische Verbindung zu all den Festen der Vergangenheit, an das „Zuviel Biertrinken“ in einer Sommernacht, dem Feiern mit Freunden, dem Trost in einsamen Momenten und die langen Autofahrten zu Konzerten. Auch heute noch, läuft in meinem Auto- zum Leidwesen meines Partners- noch immer nur eine einzige CD: „Dance With The Witches.“ 

  

Die Band Stormwitch ist eine Heavy-Metal Band, die –mit Unterbrechungen- seit nunmehr 35 Jahren besteht. Was man in der jüngsten Zeit von der Band, von Ex-Mitgliedern, Fans und Hatern zu lesen bekam, war alles in allem leider ein ziemlich trauriges Gebaren. Die Band trennte sich. 

Über die öffentliche Facebookseite, -die ich wegen der Musik abonniert hatte,- beschwerten sich die Musiker über diese und jene Gemeinheit des Managements und zogen somit uns Fans alle in einen Streit hinein, an dem keiner von uns Interesse hatte. Die Welle brach los, die Fans waren empört über die böse Frau, die nun Stormwitch erneut zerstört haben sollte, es schalteten sich andere Musiker Kollegen ein, es wurde sich gewehrt, einander Vorwürfe gemacht ... - kurz gesagt-, auf der Heavy-Metal-Ostalb ging es so richtig ab. 

Diesmal aber nicht wir früher in Kneipen oder auf Konzerten, sondern ausgerechnet auf facebook. Das ja ursprünglich dazu gedacht war, Menschen zu verbinden. Unter dem vielen Hin und Her aus Kommentaren und dem Chaos aus verletzten Gefühlen, entschied ich mich, -auch anlässlich des 35 Jährigen Bühnenjubiläums-, ein Konzert dieser Band zu besuchen. 
Freilich war ich auch neugierig, welche Musiker nun mit Andy Mück auf der Bühne stehen würden. Über die neue Besetzung wurden im Internet leider keine Informationen veröffentlicht. 

  

Natürlich fährt Manati Herz ohne Plan zu einer der legendästen/ berüchtigsten Rockgruppen der Region. Schon gar nicht dann, wenn diese gerade jüngst eine Welle der Erschütterung auf facebook ausgelöst hatte, durch das wiederholte Ersetzen aller Instrumentalisten. 


Ich wollte endlich die Fragen stellen, die wirklich wichtig sind. Und die mich als Fan wirklich interessieren. Überraschenderweise war es überaus einfach, für mich- die ich niemand bin und nichts Wichtiges mache- mit der Band in Kontakt zu treten. Das Konzert fand im Riffelhof statt ein wirklich niedlicher aber nicht kleiner (Club? Restaurant?) Laden in dem auch Ritteressen stattfinden und der thematisch eine „Wein. Weib und Gesang“-Atmosphäre versprüht. Da ich die Vorgruppe verpasst hatte, fand ich einen gut gefüllten Riffelhof vor, der voller gut gelaunter schwarz bekleideter Metaller auf das Konzert von Stormwitch wartete. Die Stimmung war gelöst, fast magisch, irgendwie war es, als wären meiner kleiner Peugeot und ich durch die Zeit gereist und nun endlich an dem Ort angelangt, an dem wir für immer sein wollten. Die Menschen lächelten, sie scherzten und unterhielten sich. Ich begrüßte ein paar Fremde, weil sie genau so aussahen, wie wir früher oder die Leute, die damals schon auf Stormwitchkonzerten waren. Eine knisternde Neugierde lag in der Luft, ich war nicht die Einzige, die das neue Line-up noch nicht gesehen hatte und gespannt war, wer gleich mit Andy Mück auf der Bühne stehen würde. 
Aber ich hatte eine Mission. 
Eine, die unaussprechlichen Mut erforderte. Vor allem dann, wenn man das ganze Debakel aufmerksam im Internet verfolgt hatte. Ich fragte mich also bei der Roadcrew zum Stormwitch-Management durch. 

  

Das muss man sich übrigens erst einmal trauen. Schließlich, gibt es gestandene Mannsbilder, die auf Metalfestivals T-Shirts tragen, auf denen sie extra darauf hinweisen, genau dieses Management überlebt zu haben. Ich müsste lügen, wenn die Horrorgeschichten über dieses bestialische Weib, nicht auch zu mir vorgedrungen wären. Ich erwartete also eine bösartige alte Hexe mit Schlangen auf dem Kopf, feuersprühenden Augen, langen Krallen, die geifernd Gift und Galle spucken würde, sollte es jemand wagen sich Andy Mück nähern zu wollen und die außerdem all mein Geld wollte. 
Gut, ich führte nur 22,50€ mit, also wollte ich mir um Geld erst einmal keine Sorgen machen. 
Im Angesicht meiner drohenden baldigen Vernichtung fasste ich also den Mut dem Sicherheitsmann am Eingang zum Backstagebereich mitzuteilen, dass ich einen Termin mit der Band Stormwitch haben würde und er mich doch bitte durchlassen solle. Natürlich grinste der junge Mann sehr freundlich und betonte, dass er mich leider nicht reinlassen dürfte. Also bat ich ihn darum wenigstens „Die Lis“ zu mir heraus zu bitte. Wenige Minuten später war es allerdings kein feuerspuckender Drache und auch keine meterhohe Amazone, die zu mir heraus kam. Es war eine zierliche kleine Dame gehobenen Alters, die mich lachend begrüßte. Nun stellte ich mich vor, erhielt ein Kompliment zu meiner Kleidung und trug mein Anliegen vor: „Kann ich bitte mal mit dem Andy reden?“, fragte ich. Nun geschah etwas, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Die kleine Frau umarmte mich herzlich und sagte: „Klar, nach der Show. Sehen wir uns das Konzert an.“  

In der ersten Reihe und mit einem Bier in der der Hand, dass die Managerin mir spendiert hatte, besah ich mir das neue Stormwitch Line-up, dass seine Show mit „Dance with the Witches“ eröffnete. Zwei blutjunge Gitarristen versprühten den energetischen Zauber des Rock `n`Rolls und feierten, zusammen mit einem äußerst gut gelaunten Sänger, dass sie nun die Hütte abreisen wollten. Leider etwas im Hintergrund positioniert der neue Schlagzeuger, der grinsend drauf los trommelte, aber von meinem Platz aus kaum zu erkennen war und ein Bassist der sich sichtlich freute mit dieser Band auf der Bühne zu stehen . Wirklich, der hatte Bock. 
Die ganze Band zeigte sich beinahe euphorisch dem Publikum mit einer ganz neuen Energie zu beweisen, dass die Hexe noch lange nicht tot war.  

  

Gespielt wurde eine bunte Mischung auf 35 Jahren Stormwitch, bei denen Klassiker wie „Stronger Than Heaven“ und „Tears By The Firelight“ zwar neu arrangiert waren, aber nicht fehlten. Das Publikum zeigte sich begeistert. Ein Zuschauer rief: „Besser als ficken!“, Andi Mück lachte, und antwortete: „Was? Jetzt?“, während die Band bereits das nächste Stück anspielte. Die Fans sangen gut gelaunt mit, während die jungen Männer auf der Bühne ihr langes Haar schüttelten und ihr Grinsen nicht verbergen konnten, als sie die Posen ihrer großen Vorbilder einnahmen. Der Abend war getragen von Freude, Lebenslust, guter Laune, und von der Musik einer Band für die es gerade erst losgeht. Trotz Allem Zauber des Anfangs, überkam mich das Gefühl, dass diese gute Mischung aus erfahrenen Musikern und jungen, wilden Gitarristen, schon seit Jahren gemeinsam musizierten und nun ihren ersten Liveauftritt hatte. Ich hatte einen wirklich schönen Abend mit Stormwitch und dieses Konzert machte mir deutlich mehr Spaß, als die Stormwitchkonzerte die ich in den 2000endern besucht hatte. 
Vielleicht gerade weil, Frontmann Andy Mück die Wiederbelebung seiner Band feierte und unvoreingenommen und sorgenfrei einen Abend mit neuen Freunden verbringen konnte. 
Die zurückgewonnene Leichtigkeit übertrug sich auch auf mich und so hatte ich alle Negativmeldungen aus dem Internet schnell vergessen, leider auch beinahe meine Mission. Aber! Ich habe sie nicht vergessen. Ganz nah mit der Band Stormwitch und dem Frontmann Andy Mück, konnte ich anschließend folgendes Interview führen.   

  

Ein Faninterview   (Riffelhof am 28.09.2019) 

  

Manati Herz:  

„Andy, wie schon erwähnt besteht die Band Stormwitch seit inzwischen 35 Jahren. Jedoch, muss man der Ehrlichkeit wegen erwähnen, dass es mehr als eine längere Unterbrechung in der Bandgeschichte gab. Also Zeiten in denen musikalisch nicht sehr viel passiert ist, es keine neuen Alben gab und keine Auftritte. Was bewegt dich, die letzten 35 Jahre immer wieder einen Neuanfang zu wagen, obwohl dich der „Heavy-Metal“ so endlos oft enttäuscht zu haben scheint.“  

  

Andy Mück:  

(lacht) Der „Heavy-Metal“ hat mich nie enttäuscht. Nicht mal in der Grunge-Zeit. Aber, da muss ich weiter ausholen. Angefangen hat die Enttäuschung mehr so 1987, als der Thomas Gleisberg keine Lust mehr hatte Musik zu machen, dann hatte 1989 der Harald Spengler keine Lust mehr Gitarre zu spielen. 1992 war der Stefan Kaufmann mit seinem Studium fertig und wollte lieber die Laufbahn eines Beamten einschlagen. Somit war der Kern, mit dem ich die Band gegründet habe gesprengt. 
Für mich wurde es dann zunehmend schwieriger, da die Musiker die danach kamen, eine unglaublich hohe Erwartungshaltung hatten. Nach der Aufnahme von der „Season of the Witch“, erwarteten die Musiker beinahe schon eine Goldene Schallplatte. Leider ist das beim „Heavy-Metal“ nicht drin. Wir sind Nuneinmal nicht Helene Fischer, die millionen Platten verkauft. Ich liebe diese Musik, ich komme davon auch einfach nicht los. Es gab ja auch immer gute Zeiten und es sind die Songs, die mich nicht loslassen. Von mir aus hätte es ewig weiter gehen können, in der Originalbesetzung und ohne Trennungen, bei denen es ja auch immer Konflikte gibt. Gar nicht verstanden habe ich damals zum Beispiel Harald Spengler. Stormwitch war unser Baby. Als Teenager saßen wir zusammen bei ihm im Jugendzimmer und haben versucht uns gegenseitig Musik beizubringen. Dass er dann auf einmal nicht mehr mitmachen wollte, hab ich wirklich nicht nachvollziehen können. Ich selbst wollte niemals aufhören und möchte immer weiter auf der Bühne stehen. Ich war aber immer dann enttäuscht, wenn wieder eine Formation, -aus egal welchen Gründen- auseinander brach. Man hofft natürlich immer, dass es mit den neuen Kollegen nicht zum Bruch kommt. Aber wir sind auch alle Menschen und Menschen trennen sich immer dann von einander, wenn die Liebe nicht mehr ausreicht. Mein einziger Trost dahingehend ist nur, dass ich mit jedem Mal älter und reifer geworden bin. Die Liebe zur Musik ist aber niemals verflogen. Vielleicht ist sie heute nicht mehr so unschuldig und naiv wie vor 35 Jahren. Eine Zeitspanne in die locker mehrere Leben gepasst hätten. 

   

Manati Herz:  

„Wo wir gerade so schön zusammen sitzen und uns so gut unterhalten. Stormwitch verfolgt ein musikalisches Konzept, welches nicht nur in der Gestaltung der Plattencover und Namen zum Tragen kommt. Auch befassen sich die Texte damit, in Form von klassischen Heavy Metal Texten, kurze Geschichten zu erzählen, die sehr oft weit in der Vergangenheit angelegt sind. Textaffine Metal-Fans können jedoch immer wieder echte Wahrheiten in den Texten finden, die sich auf unsere heutige Zeit übertragen lassen. Würdet ihr sagen, dass ihr in euren Texten bewusst kritische und solche Aussagen treffen wollt, die auch heute noch dem Zeitgeist entsprechen.“  

Andy Mück:  

Das ist schon klar. Der Text im „Heavy-Metal“ folgt auch seinen Regeln, so wie eben auch die Musik. Es ist immer schön, wenn man das verbinden kann, mit der heutigen Welt. Manche Texte treffen aber für mich persönlich sehr wichtige Aussagen oder transportieren- wie zum Beispiel „Puppet in a Play“, -sehr persönliche Gefühle. Am Ende sind es aber immer schöne Geschichten.  

  

Manati Herz:  

„Andi, es gab in der Bandgeschichte nicht nur immer wieder längere Pausen, es gab auch einen signifikant hohen Wechsel in der Besetzung der Musiker. Auch in diese Herbstsaison startet Stormwitch in neuer instrumentaler Besetzung. Welche Möglichkeiten ergeben sich hieraus für die Band Stormwitch, für dich als Sänger und worauf können wir Fans uns in Zukunft freuen?“  

  

Andy Mück: (vocals) 

Es ist natürlich für mich jetzt schön, die Chance zu haben, jungen Menschen -wie den beiden Gitarristen- eine Plattform bieten zu können. Das macht mir wirklich Freude und ich bin über diese Tatsache sehr froh. Ich freue mich darauf mit diesen Leuten kreativ zusammen zu Arbeiten und wer weiß, vielleicht klappt `s ja diesmal. Ich stand ja nun schon wieder im Regen. Irgendwie ist es aber gut gelaufen. Nun habe ich Leute in der Band, mit denen ich gerne Arbeiten will und auf die ich mich wirklich sehr freue. Es gibt ja auch immer wieder talentierte junge Musiker und ich habe sie gerne „mit rein“ genommen, da auch gerade mal wieder Platz war. Alleine kann ich halt keine Heavy-Metal-Band sein. Alleine kann ich mich selbst auf der Gitarre begleiten und dazu singen. Das ist aber nicht, was ich machen möchte, ich möchte Stormwitch machen. Es kam auch häufig zu Konflikten, wenn die Musiker plötzlich eine ganz andere Richtung einschlagen wollten als ich. Das geht leider auch nicht, als Band müssen schon alle in dieselbe Richtung wollen. Mit den Leuten jetzt habe ich das Gefühl, dass es gemeinsam in dieselbe Richtung laufen kann, ohne dass ich mir dauernd etwas erkämpfen muss. Stormwitch ist nicht nur „Werwolf on the hunt“, es soll auch andere Stücke geben, die dann so Mädchen, mit gestickten Blümch